Krankheitsbild

Morbus Reiter

Der Morbus Reiter ist eine reaktive entzündliche seronegative Gelenkerkrankung, die durch eine Infektion vor allem des Darms oder der Harnwege mit Bakterien (meistens Chlamydien) ausgelöst wird und sich in typischer Weise als Reitersche Trias aus ArthritisKonjunktivitis/Uveitis und Urethritis darstellt, teils an den befallenen Gelenken zusätzlich (Reitersche Tetrade) mit der Reiter-Dermatose, Hautveränderungen ähnlich einer Psoriasis[1]. Andere Bezeichnungen lauten Reiter-SyndromUrethro-okulo-synoviales SyndromArthritis dysentericapostenteritisch reaktive ArthritisSexually acquired reactive arthritis (SARA) oder undifferenzierte Oligoarthritis.

Das Syndrom wurde nach dem Berliner Arzt und Nationalsozialisten Hans Reiter (1881–1969) benannt, der die Krankheit 1916 erstmals beschrieb. Der Versuch, aufgrund von Reiters NS-Vergangenheit den Begriff „Reiter-Syndrom“ durch den Begriff Reaktive Arthritis zu ersetzen, setzte sich bisher nicht durch, da es weitere reaktive Arthritiden anderer Ursache gibt.

Die Reitersche Erkrankung gehört zu den postinfektiösen Gelenkserkrankungen. Bei ihnen können in den betroffenen Gelenken keine Erreger, wohl aber AntigeneDNA oder RNAvon Erregern nachgewiesen werden. Offenbar wird durch die Infektion eine Reaktion des Immunsystems hervorgerufen, die sich gegen den eigenen Körper richtet und so eine Autoimmunerkrankung auslöst.

Bei 70 bis 80 % der erkrankten Personen wird das HLA-B27-Zellenmerkmal (HLA-Klasse I) im Blut nachgewiesen. Differentialdiagnostisch ist daher oft die Reitersche Erkrankung nicht leicht von der Bechterewschen Erkrankung zu unterscheiden, besonders wenn bei der Reiterschen Erkrankung eine Spondylarthritis vorliegt.

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